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Review Rock Hard (Nr.3/96)Eins gleich vorweg: Das einzige Problem, das mir der Silberling der deutschen Melodic-Heavies bereitet, ist die Frage, ob und inwiefern das Attribut „heavy“ überhaupt noch angebracht ist. Ein kurzes Instrumental und sieben lange, primär ruhig angelegte und durch orchestrale Parts und weibliche Backing-Vocals dennoch mächtig dynamisch und progressiv geratene Stücke finden sich auf dem Zweitling des Vierers wieder. Ich hoffe, daß ich nicht allzu falsch liege, wenn ich an die Toleranz der geschätzten Leserschaft appeliere, verbunden mit der Bitte, diesem kleinen Juwel ein Ohr zu leihen. Zumal der Kitschfaktor gleich null, der Wiedererkennungswert dagegen recht hoch ist und die Grenze zum Peinlichen nie überschritten wird. Im Gegenteil: Soul Cages beherrschen die Kunst, musikalische Akzente zu setzen und im richtigen Moment an der richtigen Stelle das passende Break zu plazieren. So z.B. bei den ersten drei Stücken die mit clever ausgetüftelten Arrangements bestechen und ein extrem hohes Maß an Harmoniesüchtigkeit aufweisen. Hier verausgabt sich die Band völlig, wie auch die nachfolgenden Songs beweisen, die im direkten Vergleich eher straight und nicht mehr ganz so zwingend ausgefallen sind. Abgesehen vom abschließenden "My Spiritual Home", das recht hart rüberkommt und damit fast schon aus dem Rahmen fällt, dessen Eckpfeiler dezente Anleihen bei den bombastischen Queen-Sachen und neueren Queensryche bilden. Hut ab vor dem ungebrochenen Idealismus und Mut einer Combo, der die Melodien und Tugenden wie Eigenständigkeit mehr zusagen als der Blick auf die schnelle Kohle. Gönnt euren Lauschern diesen Ohrenschmaus. Sie haben es sich verdient.
Wolfgang Schäfer | ||||||||||||
| © Soul Cages | |||||||||||||